Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  
Sascha Woltersdorf



Schlaflieder als politisches Statement:
Wiegenlieder aus "bösen Ländern"
(Kölnische Rundschau, 15. November 2004)

"Schlafe mein Sohn, mein süßes Kind, schlafe weich wie eine Sommerbrise, die deinen Namen ruft." Solche Lieder singen "böse" Menschen. Zum Beispiel im Irak, woher diese Zeilen stammen. Oder im Iran, in Afghanistan, Syrien und Nord-Korea. Diese Ländern der "Achse des Bösen" hat der norwegische Journalist und Musikproduzent Erik Hillestad besucht, um einen ungewöhnlichen CD-Sampler besucht: "Lullabies from the axis of evil" – teuflische Wiegenlieder sozusagen.

Ein Projekt, das unter schwierigen Umständen entstand. Hillestad flog im Schatten des Irakkrieges nach Bagdad, wo für ihn die Volksmusikerinnen Amel Kthyer und Halla Bassam das bekannteste Schlaflied ihres Landes singen. Er nahm in Kabul eine Gruppe von jungen Müttern auf, traf sich heimlich mit Pari Zanganeh, die als Frau im Iran nicht öffentlich singen darf – es sein denn, ein Mann übernimmt den wichtigsten Teil des Stückes. Zurück in Norwegen sucht er den Kontakt zu westlichen Sängerinnen, um aus den nah- und fernöstlichen Schlafliedern Multikulti-Duette zu machen. Doch "ich war überrascht, dass so viele Nein sagten und über die Schärfe der negativen Reaktion." Ja gesagt haben aber Ricky Lee Jones, Nina Hagen und der Mädchenchor der National Cathedral in Washington, also laut Hillestad "ziemlich nah dran an den offiziellen USA".

Dass die "Lullabies from the axis of evil" ein politisches Statement sind, bestreitet der bärtige Norweger nicht. "Ich war sehr sauer, als George W. Bush Anfang 2002 einige Länder ‚böse' nannte. Ich halte dies für unverantwortlich, weil es Zäune zwischen den Menschen bildet." Schlaflieder dagegen seien "etwas, was wir auf der ganzen Welt teilen. Sie werden gesungen, um Frieden und Schlaf zu bringen, also genau das Gegenteil von Krieg."

Tatsächlich ist für die "Wiegenlieder des Bösen" ein fast schon besinnlicher west-östlicher Brückenschlag gelungen, der glücklicherweise weitgehend frei bleibt vom üblichen Ethnokitsch. Doch ganz friedfertig bleibt nicht jeder Song. Da ist von den "Lasten" die Rede, "die den Schultern des palästinensischen Volkes auferlegt worden sind". Und im irakischen Beitrag sind die "Augen der Feinde von Lügen geblendet". Hat sich da etwa ein bisschen Propaganda in die Schlaflieder eingeschlichen? Nein, meint Album-Macher Hillestad, denn meist gehe es um Sonne, Sterne und den Mond.

"Lullabies from the axis of evil" ist erschienen bei Strange Ways Records/Indigo.
 


Arbeitsproben

Biografie

Kontakt

Home