Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  
Sascha Woltersdorf



Pet Shop Boys & Panzerkreuzer Potemkin:
Kitsch für dunkle Stunden
(Hessisch/Niedersächsische Allgemeine, 7. September 2005)

Propaganda-Filme sind wie Pop-Songs, beide müssen gut gemacht sein, sonst funktionieren sie nicht. So gesehen ist die Neu-Vertonung von "Panzerkreuzer Potemkin" durch die Pet Shop Boys eine perfekte Verbindung: Kitsch trifft auf Kitsch. Eisensteins stummer Propaganda-Klassiker um den Matrosen-Aufstand auf dem titelgebenden Schlachtschiff will vor allem Gefühle wecken.

Die sollten im Jahr 1925 Partei ergreifen für die russische Revolution, genauer für das daraus entstandene Stalin-Regime. Dieser Tanz mit dem Teufel ist dem guten und später selbst von Stalin zensierten Sergei mittlerweile verziehen, handelt es sich doch bei "Panzerkreuzer Potemkin" um wirklich grandioses - und bis heute filmisch prägendes - Gefühlskino. Und um stimmungsvolle Revolutionsfolklore.

Auch die beiden Pet Shop Boys Neil Tennant und Chris Lowe lieben es solchermaßen plakativ. Man denke nur an ihren Hit "Go West" aus dem Jahr 1993, ein Stück Zuckerwatte, das den amerikanischen Traum – Ironie, Ironie – mit dem Sound stolzgeschwellter und aus voller Brust schmetternder russischer Matrosenchöre konterkariert. Oder sollte man besser schreiben dialektisch aufhebt?

Wie auch immer, mit dem Soundtrack "Battleship Potemkin" wird es nun ernst. Es geht um Frieden, Freiheit, Gerechtigkeit und so weiter. Mit "For Freedom", dem Schlussstück des Albums, möchte Tennant zum Beispiel dieses "leicht beschädigte" Wort retten. Ob das mit Textzeilen wie "einer für alle und alle für einen für Freiheit" gelingt? Hier schlägt wohl die naturgegebene Schwäche von Soundtracks durch: Man sieht die Bilder nicht. Denn als reines Kino für den Kopf funktioniert "Battleship Potemkin" trotz der durchaus opulenten Mischung aus Soft-Electro und Dresdner Sinfoniker nicht.

Die wenigen Momente des Parolen-Pop glimmen auch nicht besonders hell: Keineswegs unsozialistische Heilsversprechen à la "das Paradies ist möglich, trotz allem" ("After All") mögen im nachtschwarzen Kohlebunker eines alten Schlachtschiffes ihre Strahlkraft entfalten. In der Realität einer an allen Ecken glitzernden Medienwelt braucht es dafür wenigstens ein dunkles Kino und einen alten Stummfilmklassiker.

Pet Shop Boys: "Battleship Potemkin" (EMI)
 


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