Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  
Sascha Woltersdorf



Madonnas "Confessions On A Dancefloor":
Botschaften einer Spiegelkugel
(Märkische Allgemeine,
14. November 2005)

Dort, wo Madonna ist, taucht binnen kürzester Zeit auch der Trend auf. An diese Konstante der Popmusik hatte man sich irgendwie schon gewöhnt. Jedes neue Album brachte eine andere, völlig überarbeitete, sich selbst neu definierende "Queen of Pop" – mal als egoistisches "Material Girl", mal als lüsternder Vamp ("Erotica"), mal als Amerikakritikerin ("American Life"). Doch dieses Mal ist alles anders, in zweierlei Hinsicht bedeutet ihr neues Album das Ende einer Ära.

Mit "Confessions On A Dancefloor" kehrt Madonna zurück zu ihren Anfängen in den frühen 80er Jahren, zur großen Zeit der New Yorker Clubs und Diskotheken, in denen sie, das italienische Einwandererkind, entdeckt wurde. "Disco" heißt der Schlüsselreiz, und als wären die Posen im knappen rosa Höschen und den mit glitzernden Pailletten besetzten Stilettos noch nicht eindeutig genug, bekommt der Madonna-Schriftzug auf dem Album-Cover noch das stilistische Merkmal dieser Zeit spendiert: das "o" im Zentrum ihres Namens leuchtet wie eine Spiegelkugel.

Zum ersten Mal in ihrer Karriere wiederholt sich Madonna. Und den Trend lässt sie ebenfalls sausen. Das ist nichts weniger als eine Zeitenwende, die sich auch in der vor dem Album veröffentlichten Single "Hung Up" widerspiegelt. Mit dem Song wildert sie ausgerechnet im Gebiet ihrer größten Konkurrentin Kylie Minogue. Und das mit mehr als vierjähriger Verspätung. Der alten Madonna wäre so etwas nie passiert. Obendrein ist noch eine Abba-Anleihe per Sample nötig, um "Hung Up" abheben zu lassen, was dann allerdings eindrucksvoll gelingt. Das Stück ist ein richtiger Tanzflächen-Füller von einem Kaliber, das "Confessions On A Dancefloor" noch mehrfach bietet. "Get Together" etwa, das Bässe wie Hüften gleichermaßen pumpen lässt. Oder "Sorry" mit der endlos geloopten Schleife "I heard it all before", die wohl als kleines Winke-Winke an Kylie und all die anderen verstanden werden will: Was ihr macht, hab ich schon vor 20 Jahren gemacht.

Genug Stoff für die altgediente Pop-Ikone, um sich in den Hitparaden wieder ganz nach oben zu hämmern. Es könnte das letzte Mal sein, denn was kann vernichtender sein als die "Lobesworte" für die 47-Jährige nach Live-Auftritten wie bei den MTV-Awards oder bei "Wetten, dass ...?" Sie sehe wirklich gut aus – für ihr Alter, hieß es nach den Shows. Und auch auf ihrem eigenen Feld, der Frauenrolle in der Popmusik, hat Madonna in den letzten Jahren zahlreiche jüngere Rivalinnen bekommen. Stars wie Gwen Stefani oder eher undergroundige Künstlerinnen wie Peaches spielen mit den Erwartungshaltungen an das weibliche Geschlecht.

Vielleicht hat Madonna genug von diesem Konkurrenzkampf und sieht nach gut einem Dutzend Alben die Zeit gekommen, sich als Übermutter des modernen Pop zur Ruhe zu setzen – von der "Queen of Pop" zur Queen Mum sozusagen. Vorher gibt "Confessions On A Dancefloor" aber noch das definitive Statement: Seht, wo ich hergekommen bin, und seht, wo ich heute stehe.
 


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