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  Sascha Woltersdorf  
Sascha Woltersdorf



Popmusik aus der Spielkonsole:
Gameboy als Synthesizer
(Netzeitung, 5. Oktober 2001)

Sounds aus alten Spiel-Konsolen machen sich in der Popmusik breit. Nun wird gar ein CD-Sampler veröffentlicht, der ausschließlich mit dem Gameboy produzierte Tracks enthält.

Aller Anfang war einfach. Zwei weiße Striche, die - was für eine Sensation - auf dem Bildschirm per Fernsteuerung hoch und runter bewegt werden konnten. Dazwischen ein leuchtendes Quadrat: der Ball. Ähnlich beeindruckend klang der Soundtrack: Mit einem elektronischen Pock-Pock-Pock konnte der "Ball" von den beiden Spielern über den Schirm gedroschen werden. Pock-Pock-Pock-Pock-Pock-Pock. Wenn es sein musste, wurde stundenlang verbissen gekämpft. Bis endlich einer vorbeischlug. Das elektronische Ploppen gab diesem Spiel aus der Computer-Steinzeit auch seinen Namen: "Pong".

Jetzt sind Pong und seine Nachfolger wieder da, und zwar als Sound in der Popmusik. Nicht nur bei elektronischen Produktionen kommen die Bleeps und Klonks immer öfter aus der Spielkonsole. Games wie Space Invader, Donkey Kong oder der gelbe Punktefresser Pacman sind Kult.

Den konsequenten Schritt nach vorn (oder zurück?) ist der Hamburger Oliver Wittchow gegangen. Der Student an der Hochschule für bildende Künste hat eine Software entwickelt, mit der man Tracks komplett auf einer Spielkonsole, dem Gameboy, produzieren kann. Für sparsame 140 Mark inklusive Nachnahme gibt's die Software "Nanoloop", die aus dem millionenfach verkauften Liebling aller Schulhöfe einen echten Synthesizer mit Sequenzer macht. Mehr braucht's nicht für eine elektronische Produktion. Ende Oktober soll nun die erste Nanoloop-Compilation-CD auf dem Hamburger Label „Disco Bruit“ erscheinen.

Der Gameboy-Sound habe viel mit der Spielkonsolen-Retro-Mode gemeinm, davon ist der Hamburger überzeugt. «Es ist ein grober Sound, der sehr nach Videospiel klingt. Wobei er auch fantastische Bässe machen kann», sagt Wittchow. Und mit etwas Glück ist sogar Aphex Twin auf dem Nanoloop-Sampler. Die Elektronik-Legende soll jedenfalls viel Spaß mit der Gameboy-Erweiterung haben.

Von den Freunden der Spielkonsolen wird der aufgebohrte Kleincomputer jedenfalls massiv eingesetzt. "Viele Leute, die ihre Tracks auf Micromusic veröffentlichen, komponieren mit dem Gameboy", sagt Micromusic-Gründer Carl auf der Homepage der Spielesound-Musiker. Wittchow selbst ist allerdings "nicht so der Lo-Fi-Typ", ihn lässt der Boom der alten Computer und Spielkonsolen kalt.

Statt dessen reizen ihn die Möglichkeiten der mobilen Telefonie: Zur Zeit arbeitet er an einer Musiksoftware für Handys, mit der kleine Tracks programmiert und ausgetauscht werden können. Was ist an einem Handy als Musikinstrument so faszinierend? Wittchow: "Man kann es mit einer Hand bedienen und anders als beim Gameboy ist das Display ist beleuchtet. Außerdem wollte ich der Erste sein, der das programmiert."
 


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