Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  

Sascha Woltersdorf



Folk-Rock-Band Eels:
Glücks-Kekse aus der Sonne
(Saarbrücker Zeitung, 26. Juni 2003)

"Heute fühl' ich mich nicht sehr traurig!" Dieses Dankeschön von Eels-Sänger Everett an das ihn feiernde Publikum im Kölner "Stadtgarten" war schon ungewöhnlich: Andere Popstars sind üblicherweise "wirklich glücklich" oder wenigstens "total gut drauf". Mark Oliver Everett, auch kurz "E" genannt, ist nach dem Konzert nur irgendwie nicht mehr ganz so niedergedrückt. Gemessen an den dunklen Galaxien mit schwarzen Löchern voller Melancholie, die sich sonst auf Eels-Platten ausbreiten, bedeutet dies allerdings die Explosion einer mittelgroßen Sonne voller Glücks-Kekse.

Es muss also auch für die Eels, die Gottväter des kauzig-verschrobenen Folk-Rock und Meister der unterschwelligen Verzweiflung, ein gelungener Abend gewesen sein. Handgestoppte sechs Zugabe-Songs nach Es "nicht-ganz-so-traurig"-Bonmot mögen dies belegen.

Die prima Laune des Band-Chefs mag auch angetrieben sein vom neuen Album "Shootenanny!", das zur Zeit taufrisch in den Plattenläden liegt. Selbst für Eels-Verhältnisse ist es ein gelungenes Album, weil - und nicht obwohl – es dorthin geht, wo jede der vier vorherigen Platten schon war. Bestandsaufnahme nennt man das wohl. Die guten alten Dämonen sind jedenfalls immer noch da und gucken auch bei "Shootenanny!" um jede Ecke. Und Ecken - im Sinne von schroffen Brüchen oder zwiespältigen Stimmungen - gibt es jede Menge in den 13 Songs. Selbst eine scheinbar harmlos schwebende Ballade wie "The Good Old Days" bekommt mit nur einer Textzeile den Boden weggezogen: "Ich mag's nach einem schlechten Traum aufzuwachen, dann fühlt es sich an, als wäre das Leben gar nicht so schlecht." Kraft tanken am absoluten Nullpunkt, nach jedem Tiefpunkt ein Trotzdem, so kennt und mag man E: als Sisyphos der Depression.

Ganz so schwer wie der altgriechische Held hatten es E und die Eels allerdings nicht während ihres Konzerts in Köln. Vielleicht war es nicht düster genug in dem - natürlich ausverkauften - Kölner Club, denn E schüttelte Covers ("Sixteen Tons"), alte Kracher ("Souljacker") und neue Hit-Aspiranten ("Saturday Morning") überraschend locker aus dem Ärmel seines Baumwoll-Hemds. Auch die Band tat ihren Job, übrigens in roten Overalls wie Rock-Mechaniker, die handwerklich geschickt die guten alten Modelle vom Blues und Rock einer Generalüberholung unterziehen.

Dass dabei der eine Knacks oder die andere Verschrobenheit mit eingebaut wird, muss eigentlich nicht mehr erwähnt werden. Und schließlich Mister E selbst: Habt ein gute Zeit, predigt er von der Bühne herab. Kauft euch den viel zu teuren Sweater! Esst trotz Diät das Bananen-Split! Man könnte meinen, da hat gar-nicht-so-traurig-E ziemlich viel Spaß gehabt. Und das war gar nicht so schlecht.
 


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