Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  


Sascha Woltersdorf




Aus dem Schürmann-Bau in Bonn:
Die Deutsche Welle bringt frischen Wind in Bonns Medienlandschaft
(Handelsblatt, 4. Mai 2005)

Nach dem Wasser kam die Welle – ein wenig salopp ließe sich so die Geschichte des Schürmann-Baus zusammenfassen. Und es ist erneut eine für Bonn typische Geschichte des Wandels.

Rückblende: Im Dezember 1993 versinkt der Rohbau in den Fluten eines Rheinhochwassers, das Fundament sackt ab und das als Bürohaus für Bundestagsabgeordnete geplante Gebäude wird zur prominentesten Skandal-Ruine Deutschlands. Nach Jahren des Rechtsstreits entschließt sich der Bund zur Sanierung undzum Bau eines Funkhauses mit 30.000 Quadratmetern Nutzfläche und Platz für 1.600 Mitarbeiter für die damals in Köln beheimatete Deutsche Welle. Im Herbst 2003 nimmt der deutsche Auslandssender den vollen Betrieb in der Bundesstadt auf.

Ein bezeichnender Wandel in der Bonner Medienbranche, die sich wie so viele andere Branchen in der ehemaligen Bundeshauptstadt ebenfalls neu finden musste. Mit 1.135 Mitarbeitern ist die Deutsche Welle nicht nur der zehntgrößte Arbeitgeber vor Ort, sondern auch eine journalistische Bereicherung für das neue, das internationale Bonn.

"Die kleine Uno" nennt sich die Welle gern selbst. Seit 1953 gibt es die Deutsche Welle, damals richtete sie sich noch an "die lieben Landsleute in allerWelt", so Bundespräsident Theodor Heuss beim Start. Mittlerweile funken Mitarbeiter aus 60 Nationen in 30 Sprachen rund um dieWelt.

Auch auf anderen Feldern mussten sich die Medienschaffenden umorientieren. "Ein wenig schmerzhaft" sei der Abschied vom bundespolitischen Zentrum schon gewesen, sagt Wolfgang Koch, Vorsitzender des Arbeitsausschusses Bonn der Bundespressekonferenz. Neben Rundfunk- und Fernsehsendern wie WDR, SWR, ZDF und Phoenix der "Ereignis- und Dokumentationskanal" ist mit etwa 90 Mitarbeitern vor Ort – sind auch eine Reihe von Tageszeitungen mit ihren Korrespondenten vertreten, Koch ist einer von ihnen. "Bonn ist ein ertragreiches Gebiet vor allem für die Wirtschaftskollegen", weiß der Journalist.

Neben den am Rhein mit erstem Dienstsitz verbliebenen sechs Bundesministerien liefern insbesondere die beiden Großen am Standort, Deutsche Post World Net und Deutsche Telekom, viel Stoff für Berichte. Dazu kommen die zahlreichen nationalen und internationalen Einrichtungen in der Bundesstadt vom Klima-Sekretariat UNFCCC bis zum Bundesamt für Arzneimittel, dem so genannten Pharma-Tüv.

Wie sehr sich Bonn noch im Umbruch befindet, zeigt das Haus des Bonner Presseclubs. An diesem Ort gaben sich zu Hauptstadt-Zeiten Kanzler, Minister, Partei- und Fraktionsvorsitzende die Klinke in die Hand. Heute sucht die Stadt, die das Gebäude vom Bund übernommen hat, händeringend einen Investor. Man sondiere, man führe Gespräche, heißt es beim Liegenschaftsamt. Doch die Nachfrage sei "nicht gerade riesig". Die Ansiedlung der Deutschen Welle dagegen hat Bonn bereits aufgewertet - und dies nicht nur aus journalistischer Sicht: In der Wellen-Kantine schwingt der ehemalige Sterne-Koch Hermann Müller den Löffel. Eine klare Verbesserung für das Bundesviertel.

 


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