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  Sascha Woltersdorf  


Sascha Woltersdorf




Logistik:
Bonn-Köln-Aachen zählt zu den
Topstandorten für den Frachtverkehr

Handelsblatt, 18. Mai 2009


Der Wer auf der Suche nach dem schnellsten Weg ist,
fragt oft einen Taxifahrer; der kennt sich bestens aus.
So ähnlich will es bald auch die Deutsche Post DHL
machen, um Zustellfahrten zu beschleunigen.

Der Bonner Logistiker testet in Berlin ein ungewöhnliches Konzept:
GPS-Daten aus 500 Taxis liefern ein Bild der aktuellen Verkehrslage.
Auf dieser Basis berechnet eine Software die günstigsten Routen für
die Zustellfahrzeuge. Projektpartner sind unter anderem das Bundes-
ministerium für Wirtschaft und Technologie, das Deutsche Zentrum für
Luft- und Raumfahrt sowie das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Erdacht wurde das Treibstoff, Zeit und Kosten sparende System im DHL Innovation Center. Das konzerneigene Entwicklungszentrum befindet sich im rheinischen Troisdorf vor den Toren Bonns, gleichsam im Blick der Zentrale des weltgrößten Logistikers. Laut Zahlen der Wirtschaftsförderung Cologne Bonn Business sind derzeit 20 Prozent aller nordrhein-westfälischen Logistik-Jobs in der Region Köln-Bonn zu finden.

Für den wirtschaftlichen Erfolg der Transportbranche zählen neben guten Ideen und Innovationen natürlich auch die harten Standortvorteile einer Region. Auf der rheinischen Habenseite steht hier der Flughafen Köln-
Bonn, der zweitgrößte Frachtflughafen Deutschlands, für den zudem eine
24-Stunden-Flugerlaubnis bis 2030 gesichert ist. Das Luftkreuz, das den Verlust des DHL-Frachtzentrums verkraften muss, konnte mit Fedex eine andere Logistikgröße gewinnen.

Der US-Konzern nimmt ab Mai 2010 ein 50.000 Quadratmeter großes Fracht- und Sortierzentrum für Zentral- und Osteuropa am Flughafen in Betrieb. Fedex und die Betreibergesellschaft investieren dafür jeweils 70 Mio. Euro. "Der neue Standort bietet uns Wachstumschancen, etwa in Bezug auf die Verfügbarkeit weiterer Flächen und weitestgehende Unabhängigkeit von Nachtflugbeschränkungen", sagt Fedex-Manager Michael Mühlberger. Derzeit beschäftigt das Unternehmen 35 Mitarbeiter am Flughafen. Etwa
450 Jobs soll der neue Umschlagplatz ab dem kommenden Jahr bringen.

Die Energieversorgung ist – ganz im Sinne Bonns – umweltbewusst geplant: Auf dem Dach sorgt eine 16.000 Quadratmeter große Photovoltaikanlage
für 1,3 Gigawatt-Stunden Solarstrom pro Jahr. Das entspricht dem Ver-
brauch von rund 370 Haushalten. Das Städtedreieck mit den Eckpunkten Bonn, Köln und Aachen gehört zu den 18 deutschen Topstandorten, wie
eine Studie der Fraunhofer Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft (ATL) ergeben hat.

Potenziale biete die Region durch die Versorgung der kaufkräftigen und wachsenden Bevölkerung sowie der Industrie, sagt ATL-Projektleiter Alexander Nehm. Bonn mit einem Anteil von knapp über vier Prozent
reiner Logistikbeschäftigung sei dabei von einem "Speckgürtel" umgeben. "Dieses Bild ist typisch für die Branche. Logistik wird zunehmend aus den Städten in die günstigeren Landkreise verlagert, da die fast immer ein-
stöckigen Logistikimmobilien einen hohen Flächenbedarf haben", sagt Forscher Nehm.

Eine im Wortsinn überragende Logistikimmobilie steht indes in Bonn:
Der von Helmut Jahn entworfene 162,5 Meter hohe Post Tower am Rhein beherbergt nicht nur die Deutsche-Post-DHL-Zentrale, er ist auch zu einem Wahrzeichen der Stadt geworden. Hermann Ude, Vorstand Logistik der Deutschen Post DHL, kennt die Vorzüge des Standorts: "Bonn verfügt
zwar nicht über die klassischen Attribute eines Logistikstandorts wie zum Beispiel Hamburg mit seinem Seehafen oder Leipzig mit der zentralen Lage im neuen Europa. Aber es gibt den Flughafen Köln-Bonn, die Anbindung an den Rhein, die Nähe zum Nachbarn Frankreich und zu den Benelux-Staaten sowie wirtschaftsstarke Auftraggeber im direkten Umfeld wie Bayer, Henkel, Telekom oder Metro", sagt Ude. "Das sind alles Rahmenbedingungen, mit denen man punkten kann."

Das lockt auch andere Unternehmen: Seit kurzem ist mit dem World Congress Center Bonn ein weiteres repräsentatives Gebäude in den Dienst der Logistik getreten. TNT Express, der weltweit 75000 Mitarbeiter starke Konzern mit Deutschlandzentrale in Troisdorf, nutzt 1600 Quadratmeter in einem ehemaligen dreistöckigen Bundestagsgebäude für die Ausbildungen durch seine "TNT Akademie".

 




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