Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  


Sascha Woltersdorf




White Stripes:
Schlecht gedudelt, Sack!
Sat1.de, 18. Juni 2007

Regeln sind gut, Regeln brechen ist manchmal besser.
Aber nur manchmal.

Von diesem Gedanken scheint "Icky Thump" irgendwie getrieben
zu sein, denn eigentlich sind die White Stripes die Band der eisernen Richtschnüre: Farben haben rot zu sein, höchstens schwarz oder weiß werden noch geduldet. Instrumente haben Gitarre oder Schlagzeug
zu sein. Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn man mit ihnen rocken kann. Piano zum Beispiel. Oder Orgel. Insofern war das Vibraphon auf dem Vorgängeralbum "Get Behind Me Satan" schon eine kleine Revolution.

Auch das neue Album bricht mit einigen Band-Traditionen und kehrt gleichzeitig zu anderen wieder zurück. Ganz ohne Rot kommt etwa
das Cover aus. Und es gibt - neben der grandiosen Wiederauferstehung
von Jack Whites Bratzgitarre - Songs mit schottischen Dudelsäcken
("Prickly Thorn, But Sweetly Worn") oder mit mexikanischen Mariachi-
Trompeten ("Conquest"). Beides nervt. "Conquest" ist einfach nur albern.
Und ein Celtic-Folk-Verbrechen wie "Prickly Thorn" bekommt sonst nur
Paul McCartney hin. Schlecht gedudelt, Sack!

Die Rückkehr zum Blues Wer nun hofft, dass dies ein schrecklicher
Unfall gewesen sein könnte, wird im Folgestück "St. Andrew (This Battle
Is In The Air)" schon wieder von wirren Pfeifen angefiept. Immerhin
beweist das Stück, dass in Bagpipes das Potential für durchgeknallten Psychedelic Rock steckt. Aber will man so etwas wirklich wissen?.

Da will man doch lieber den guten alten Kaiser Jack wieder haben,
diesen Gitarren-Nerd und Beherrscher von rasiermesserscharfen
Sounds, die jede Form von musikalischem Wohlbehagen sofort in
Scheiben schneiden. Und natürlich Meg White, die mit ihrem Ruckel-
Schlagzeug immer von Vollgas auf Vollbremse und zurück wechselt.
Und beides gibt es auf "Icky Thump". Der Rest des Albums ist großartig
und hält die Klasse des 3,5 Millionen Mal verkauften "Elephant". Es ist schlicht und einfach die Rückkehr zum Blues, wie er ursprünglich einmal gedacht war: Gewalttätig und roh - und melodiös.

"Bone Broke" spuckt brennenden Gitarrenlärm, wie man ihn seit den
MC5 kennt. "Rag And Bone" rollt als purer, von Jack aufgekratzt im
Duett mit Meg gesungener Hardrock-Boogie an. "Catch Hell Blues"
hätte vor 40 Jahren auch Led Zeppelin gut zu Gesicht gestanden.
Und "300 M.P.H. Torrential Outpour Blues" folgt dem melancholisch schwebenden britischen Blues wie ihn die Small Faces gespielt haben.
Sehr schön, so macht Traditionspflege Spaß. Bluesrock – eiserne Regel
– ist und bleibt eben etwas für Wertkonservative.

White Stripes: "Icky Thump" (XL/Beggars/Indigo)

 




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