Medienbüro In Worten  
  Sascha Woltersdorf  


Sascha Woltersdorf




Interview mit Otto Waalkes:
Das ewige Kind
Rhein-Zeitung, 14. Oktober 2006

Am 26. Oktober bringt Komiker Otto Waalkes (58)
seinen neuen Film ins Kino: "7 Zwerge - Der Wald ist
nicht genug". Wie schon im ersten Teil "7 Zwerge -
Männer allein im Wald" stolpern zahlreiche deutsche
Comedians durch denn Märchenwald. Nur Harald
Schmidt ist dieses Mal nicht dabei. Warum? Im
Interview sucht Otto nach der passenden Erklärung.
Außerdem erklärt er, wie es ihm gelingt, Witze zu
reclyclen, und warum er AC/DC-Hits gerne eindeutscht

Das Casting für "7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug" muss ziemlich komisch gewesen sein.
Waalkes: Ach, die Comedians, die brauchst du doch nicht zu casten.
Es gibt ja jede Menge, die genau in den Film reinpassen, Martin Schneider, Ralf Schmitz, Mirco Nontschew. Und Nina Hagen als böse Hexe ist
geradezu ideal. Dabei hat man geglaubt, sieben Comedians zusammen,
das gibt ein Hauen und Stechen. Aber es funktioniert, weil die unterschiedlichste Ausdrucksformen drauf haben. Der eine ist Körperakrobat, der andere ist rhetorisch wahnsinnig fit - oder mimisch.
So konnten wir auch das Drehbuch entwickeln: Du gibst jedem Comedian Freiraum für das, was er am liebsten macht. Du hättest gern eine Pantomimen-Nummer? Kein Problem, die bauen wir ein!

Wo war Harald Schmidt?
Waalkes: Der war beim ersten Teil dabei.

Warum beim zweiten nicht?
Waalkes: Der war so beschäftigt mit seiner Sendung. Hat sich geweigert,
nein, weiß ich nicht. Ach Schmidt? Da hab ich ja gar nicht mehr dran
gedacht ...

Haben Sie ihn vergessen?
Waalkes: Nein, wir waren schon zu lang. Und das wäre traurig gewesen,
wenn wir Harald hätten rausschneiden müssen.

Er hat sich aber nicht darüber beschwert, dass Sie ihn
vergessen haben?

Waalkes: Wir haben ihn ja nicht vergessen. Wir haben gesagt, wir nehmen dich, aber schneiden dich danach raus. Das wollte er nicht so gern.

Die Gage hat ihn nicht interessiert?
Waalkes: Der ist doch so wohlhabend, der Mann. Der soll’s ja haben,
der ist ja gestopft bis zum Geht-nicht-Mehr. Mit Geld kann man den nicht mehr locken. Mit einem guten Scherz vielleicht ... (Ottos Handy klingelt.) Hallo? Du, ich bin gerade im Interview. Kann ich dich gleich zurückrufen? Gut, Schätzchen ...

Wie viel ist im Film improvisiert?
Waalkes: Du kannst nicht richtig improvisieren, weil Licht und Ton
stimmen müssen und Einstellungen wiederholt werden. Aber Olli Dittrich
ist so wortfest, der ist unglaublich. Die Pinocchio-Scherze haben wir zusammen entwickelt. Aber er bringt immer noch was hinein. Holz-Nasen-
Ohrenarzt, haha! Die war schon stark, diese Szene. Brett Pitt. Wunderbar.

Sie spielen im Film den sexlosen Zwerg ...
Waalkes: Den Sexlosen? Haben Sie nicht meinen Zipfel gesehen? So ganz unerotisch kommt der Film nicht daher. Schneewittchen küsst mich ja
sogar einmal. Cosma Shiva Hagen ist unglaublich. Wie sie einmal in die
Rolle des Rumpelstilzchen schlüpft, mit der dicken Warze – hier, hier, hier! (Tippt sich auf die Oberlippe.) Schade, dass Peter Maffay nicht mitgemacht hat. Das hätte gepasst.

Eine Riege von aktuellen Comedians spielt mit, und Sie sind mit Abstand der Älteste. Fühlen Sie sich manchmal als Opa?
Waalkes: Ja, warum nicht? Die ganze Erfahrung mitzubringen, 100 Jahre Otto, nein ich bin ja erst 50 Jahre alt, aber seit 30 Jahren auf Tour und seit 20 Jahren eine Legende, das macht zusammen einhundert. Da schauen die anderen zu einem auf und sind schön diszipliniert bei den Filmarbeiten. Comedy hat schließlich keine Altersgrenze, Polt, Loriot, wo immer man
auch hinschaut. Und je älter du wirst, desto besser kannst du in Erwachsenen-Rollen schlüpfen.

Bubi, Ihre Rolle, ist der jüngste Zwerg ...
Waalkes: Zwerge sind sowieso alterslos, das ist egal. Ein Zwerg ist ein
Zwerg.

Lag ein besonderer Reiz darin, in eine Rolle zu schlüpfen, in der Sie richtig Kind sein können?
Waalkes: Ja, das ist doch herrlich, weil man mir immer vorwirft, Otto,
wann wirst du endlich erwachsen.

Ist das so?
Waalkes: Ja, das wirft man mir immer vor.

Also stimmt es?
Waalkes: Dass man mir das vorwirft?

Nein, der Vorwurf.
Waalkes: Ich weigere mich, erwachsen zu werden!

Wie Pippi Langstrumpf.
Waalkes: Wunderbar, dann bin ich die friesische Pipi Langstrumpf.
Das gefällt mir gut. Ich möchte für immer Zwerg sein.

Haben Sie Ihrem Sohn eigentlich früher Märchen vorgelesen?
Waalkes: Der wollte keine Märchen hören.

Warum nicht?
Waalkes: Der hatte einen Computer, der hat Super Mario gespielt.
Lass mich doch mit deinen Märchen in Ruhe! (Ahmt Computerspiel-
geräusche nach)

Spüren Sie eigentlich einen Druck, immer lustig sein zu müssen?
Waalkes: Nein, es ist eine Mentalitätssache, wenn du gut drauf bist, bist du gut drauf. Und wenn die Leute das mögen, kannst du dein Leben an die Öffentlichkeit transportieren. Das funktioniert.

Hat sich der Humor geändert im Vergleich zu früher?
Waalkes: Ich mache das jetzt schon ziemlich lange ...

... und immer die gleichen Witze.
Waalkes: Wer sagt das?

Die Kritiker Ihrer Bühnenauftritte.
Waalkes: Ich bin doch kein Witze-Erzähler, ich mache Parodien.

Im Interview mit "Neon" haben Sie einen erzählt: Ein Dieb stiehlt einen
Lkw mit einer Ladung Schnaps ...

Waalkes: Oh, der ist ganz hübsch, ja.

Erzählen Sie!
Waalkes: "Angeklagter geben Sie zu ..." Aber ich erzähle doch auf der Bühne keine Witze!

Oh, Entschuldigung.
Waalkes: Nein, nein. Weil Sie sagten, ich mache immer die gleichen Witze. Ich kann keine Witze erzählen. Außerdem kenne ich nur den Einen. "Angeklagter geben Sie zu, den Wagen mit der Schnapsladung gestohlen zu haben? Ja, das gebe ich zu. Was haben Sie mit der Ladung gemacht? Die habe ich verkauft. Ja, und das Geld? Das habe ich versoffen ..."

Ich find ihn gut. Trotzdem – Sie haben viele, sagen wir mal, Klassiker im Programm ...
Waalkes: Das klingt besser! Du kannst doch auch nicht zu Udo Jürgens
gehen und sagen, Udo, du singst ja immer noch "Aber bitte mit Sahne".
Was soll den das? Die Leute mögen das. Den Wiedererkennungswert.
Wie der Witz in einer Variation erzählt wird. Man muss ja auch recyceln.
Wo sollen die alten Witze denn hin?

Sie könnten den heutigen Comedians ein paar abgeben.
Waalkes: Ja, tue ich ja auch. Ich bin ein unerschöpfliches Füllhorn,
das Arsenal an Gestik und Komik wird immer weiter bereichert ...

Ist Schneewittchen ein Männertraum?
Waalkes: Das kann sein. Im ersten Teil geht es ja darum, dass die Zwerge
sich zurückziehen, weil sie schlechte Erfahrungen mit Frauen gemacht haben. Aber dann werden sie eines Bessern belehrt und erkennen, dass
eine Welt ohne Frauen nicht möglich ist.

Hat Sie das persönlich angesprochen?
Waalkes: Ich denke schon, ich liebe alle Frauen, ob blond ob braun.

Oh, beruht das auf eigenen Erfahrungen?
Waalkes: Möchte ich jetzt im Detail nicht drauf eingehen, aber Haut so
weiß wie Schnee, Haare schwarz wie Ebenholz, Lippen rot wie Blut, das
sieht doch toll aus. Aber ich bin nicht so auf das Äußere festgelegt.
Meine, mit der ich jetzt gerade verheiratet bin, die ist ja ganz besonders schön. Und sie entspricht gar nicht dem Schneewittchen-Vorbild.

Es heißt, dass Sie Ihr "erstes Mal" erst sehr spät erlebt haben ...
Waalkes: Ich habe wirklich mit 22 zum ersten Mal Sex gehabt. Interessant,
oder? In Hamburg. Ich kam nach Hamburg, oh, die Mädchen, wie locker
die sind. Ach so geht das ... Aber die weiblichen Formen der Gitarre,
das war das Interessante für mich. Außerdem habe ich gedacht,
die Mädchen wollen nur meine Lieder hören. Und wenn die mich
befummelt haben, habe ich gesagt: "Geh weg, ich dachte, ich soll dir was vorsingen".

Wären Sie gerne Rockstar geworden?
Waalkes: Ich spiele Leadgitarre in einer Band, den Friesenjungs. Vor ein
paar Wochen sind wir in Eisenhüttenstadt aufgetreten – vor 35.000 Fans. Rocksongs kann man ja auch eindeutschen.

Sie singen AC/DC auf deutsch?
Waalkes: Ja, "Highway to Hell" auf Deutsch – das ist der Hammer! (Fängt an zu singen) "Erst auf dem Heimweg wird’s hell ..." Geht doch, oder?

 




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