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  Peter Reuter  
Peter Reuter



Kölner Standortoffensive:
Gute Namen werben weltweit für die Domstadt
(Handelsblatt, 15. März 2006)

Gekonnt ist gekonnt, man spricht von ihm, er setzt sich weltweit in Szene – sogar mit Müll: ob in den USA, in China oder ab dem 21. April vor dem Kölner Dom. Der umtriebige Aktionskünstler HA Schult, dessen 1.000 "Trash People" zurzeit auf Welttournee sind, bringt neben seiner Kunst nun auch die Domstadt überall offiziell ins Gespräch. Er ist einer von 143 Persönlichkeiten, die Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU) im Oktober feierlich mit Anstecknadel und Urkunde im Rathaus zu Wirtschaftsbotschaftern der Stadt ernannt hat.

"Angesichts knapper Haushaltsmittel habenwir nach einem Weg gesucht, das Köln-Marketing zu verstärken, ohne viele Geld aufbringen zu müssen", sagt der Oberbürgermeister. "Vom Standort überzeugte Unternehmer sind die beste Werbung." Er habe daher Persönlichkeiten angesprochen, die über internationale Kontakte verfügen, eine leitende Position bekleiden und eng mit Köln verbunden sind, sagt Schramma.

Bis zu 150 solcher Botschafter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kunst sollen es werden. Im Kreis des Kölner "Who is Who" befinden sich neben HA Schult auch Flughafenchef Michael Garvens, Kemal Sahin von der Türkisch-Deutschen Industrie- und Handelskammer sowie Hoteliers, Banker, Forscher und viele mittelständische Unternehmer. "Wir begrüßen diese Initiative sehr, weil Köln damit ein Signal aussendet, dass es sich international aufstellt und dem Ausland zuwendet", sagt Detlev Sachse, Geschäftsführer der IHK Köln.

Signale aus dem Rheinland an internationale Investoren sendet Köln zurzeit auf der MIPIM aus, der internationalen Immobilienmesse, die bis zum 17. März in Cannes läuft. Die Stadt verweist auf einen Rekord von Neuvermietungen bei Gewerbeimmobilien, der durchaus als Indikator für einen wachsenden Markt gesehen werden kann.

Zuversichtlich blicken auch die Verantwortlichen der IHK Köln in die Zukunft. Der von der Kammer ermittelte Geschäftsklimaindex weist mit 113 Punkten den bestenWert seit dem Frühjahr 2001 aus. Dennoch schränken die Haushaltssperre und eine hohe Arbeitslosigkeit die 2005 auchbedingt durchden Effekt derArbeitsmarktreform bei 13,5 Prozent lag – den Aktionsradius der Stadt ein. Als ein großes Plus für den Standort gilt die Gewerbesteuer. "Wir haben seit 1988 bei der Gewerbesteuer den Hebesatz von 450 nicht erhöht", so Schramma. "Wegen der angespannten Lage hat uns der Regierungspräsident aufgefordert, die Gewerbesteuer zu erhöhen. Wir sind aber bemüht, für 2007 einen ausgeglichen Haushalt hinzulegen, um darauf verzichten zu können."

Neben großen Arbeitgebern wie Ford, dem WDR und der Rewe Group bilden die mittelständischen Unternehmen ein breites Fundament. Über 80 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten im Dienstleistungsbereich. Ein neu aufgestelltes Wirtschaftsdezernat und verbesserte Unternehmensservices sollen Firmen am Standort halten – und neue Unternehmen für Köln gewinnen. Die Wirtschaftsförderung hat kürzlich den schwedischen Telemarketingspezialisten XLNT und ein führendes Unternehmen der Sportübertragung, die Wige Media, nach Köln gelockt. Die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) stockt zurzeit auf 400, vielleicht sogar auf 1.000 Mitarbeiter auf. Der Logistiker UPS hat sein wichtigstes europäisches Drehkreuz am Airport aufgebaut, der zudem Europas größte Adresse für Low-Cost-Carrier ist. Und die sorgen für noch mehr Besucher.

Gerade als Reiseziel hat Köln momentan beste Karten: 2005 knackte Köln bei den Übernachtungen erstmals die Vier-Millionen-Grenze. Großveranstaltungen wie der Weltjugendtag im vergangenen Jahr und die Fußball-WM 2006 fördernzusätzlich das positive Image der Stadt. "Diese Großereignisse machen für Köln weltweit Reklame", sagt Fritz Schramma. "Eine solche Werbung für die Stadt könntemangar nicht bezahlen."


Mehr Schlagkraft im Wettbewerb
Interview mit Fritz Schramma, Oberbürgermeister der Stadt Köln

Köln vollzieht derzeit einenwichtigen Strukturwandel. Was heißt das konkret? Köln leidet immer noch unter einem Rückgang des produzierenden Gewerbes. Andererseits verzeichnen wir einen Zuwachs bei den Dienstleistungen. Handel, das Kredit- und Versicherungsgewerbe, Wissenschaft, die Kunst- und die Logistikbranche wachsen. Der IT- und Mediensektor bringt viele junge Menschen nach Köln, so dass wir auf lange Sicht Millionenstadt bleiben. Dieser breite Branchenmix federt konjunkturelle Krisen ab – das ist ein Vorteil, der uns Sicherheiten bietet. Dennoch bleibt eine unserer Hauptaufgaben, die hohe Arbeitslosigkeit in den Griff zu bekommen.

Mitte des Jahres gibt es ein neues Wirtschaftsdezernat. Warum?
Die BereicheWirtschaft und Liegenschaften bündelnwir in einem eigenständigen Dezernat. Ein Signal, dass wir dasWirtschaftszentrum imWesten der Republik sind und mehr Schlagkraft im Wettbewerb haben. Die Dezernentenstelle wird jetzt ausgeschrieben, wir suchen deutschlandweit nach dem besten Kandidaten.

Was hat es auf sichmit dem neuen Unternehmensservice, der seit März geboten wird?
Er dient der Entbürokratisierung und Wirtschaftsfreundlichkeit. Ein Unternehmer hat jetzt nur noch einen Ansprechpartner, muss nicht mehr bei Genehmigungen von Pontius nachPilatus laufen.Und er hat in vier bis sechs Wochen ein Ergebnis.

Welche Rolle spielen die Beziehungen zu China für Köln?
Wir wollen Köln als Brückenkopf für die chinesische Wirtschaft in Deutschlandweiter ausbauen. Daher habe ich eine China-Offensive initiiert. Nach den ersten neun Monaten haben sich über 25 neue Unternehmen aus China neben den bereits vorhandenen 50 angesiedelt. Innerhalb von vier Wochen erhalten die Unternehmer eine Arbeits- und Gewerbeerlaubnis. Was Düsseldorf für die Japaner ist, soll Köln für China sein. Zusätzlich fokussieren wir den indischen Markt, dessen riesige Chancen wir von Anfang an nutzen wollen.

Es gibt nicht nur gute Nachrichten: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, ob die Vergabe für den Bau der neuen Messehallen hätte ausgeschrieben werden müssen anstatt sie direkt an die Oppenheim-Esch-Holding zu vergeben …
Die Bezirksregierung hat in ihrem Bericht festgestellt, dass vergaberechtlich alles ordnungsgemäß abgelaufen ist. Es bestand keine Ausschreibungspflicht. Die Bezirksregierung hat lediglich kleine Verstöße gegen kommunalrechtliche Vorschriften angemahnt, die beispielsweise bei Dringlichkeitsentscheidungen im Stadtrat passiert sind. Ich gehe davon aus, dass die Staatsanwaltschaft möglichst bald die Sache einstellt und keine Sanktionen folgen. Was meine Person betrifft, weiß ich, dass ich alles ordnungsgemäß gemacht habe.
 


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