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  Peter Reuter  
Peter Reuter



Standort Köln:
Der Mercedes-Benz-Faktor
(Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11. März 2007)

Was macht einen Standort interessant? Blickt man auf Köln, lautet die Antwort: bekannte Namen und originelle Architektur.

Wenn Geschäfte zum ersten Mal ihre Türen öffnen, locken sie oft mit Sekt und Sonderangeboten. Als sich im März vergangenen Jahres mehr als 20.000 Besucher in die neuen Geschäftsräume im Stadtteil Ehrenfeld drängten und die Polizei den Autoverkehr rund um den Technologiepark Köln an der Widdersdorfer Straße wegen des großen Ansturms regeln musste, gab es dort zur Eröffnung keine Schnäppchen. Auch kann keine Rede davon sein, dass die Verkaufsfläche prickelnde Getränke als Werbemittel brauchte. Nach Paris, Berlin und München hatte die älteste Automarke der Welt auch im Westen Kölns ein Mercedes-Benz Center errichtet, das die Daimler-Chrysler AG weniger als Autohaus im konventionellen Sinn, sondern mehr als "automobiles Kommunikationszentrum" und "Erlebniswelt" betrachtet. 200 Limousinen, Roadster und Coupés aller Klassen stehen auf 11 400 Quadratmeter mit Eichenparkett verlegter Ausstellungsfläche. In einer Ecke parkt ein silberfarbener Maybach 62, in der Etage darüber ein sportlicher SLR McLaren. Es blitzt überall, weil sich begeisterte Besucher vor den Limousinen ablichten lassen. Autoliebhaber und Designinteressierte pausieren im hauseigenen Bistro, während andere sich beraten lassen. Eine durchschnittliche Verweildauer von einer Stunde hat man in den "Centern mit Metropolencharakter" errechnet, doppelt so viel wie in klassischen Autohäusern.

Auch von außen betrachtet sticht das 64 Millionen Euro teure Mercedes-Benz Center deutlich hervor. Der metallisch-gläserne Komplex liegt nur zehn Autominuten vom Kölner Zentrum entfernt. Schon von weitem erkennt man den 27 Meter hohen, konisch geformten und mit Aluminium ummantelten Turm, auf dem ein sich drehender, acht Tonnen schwerer Mercedes-Benz-Stern plaziert ist. Der Komplex verjüngt sich um neun Grad und erinnert so an eine Bremstrommel. Von flacher Wohnbebauung auf der einen Seite umgeben, steht das Center auf einem ehemaligen Lampenfabrik-Gelände, das heute Technologiepark Köln heißt und 300 Firmen beherbergt. Das Mercedes-Benz Center bildet den Auftakt für die als hochwertiger Unternehmensstandort konzipierte Ost-Erweiterung. Das Architektenbüro Kister Scheithauer Gross hat den 65 000 Quadratmeter großen Büropark "Mercedes-Allee" geplant, dessen Mittelpunkt ein 18-geschossiges Hochhaus bilden soll.

Für Köln bedeutet dieses Prestigeobjekt des Automobilkonzerns einen doppelten Glücksfall: ein prominenter Global Player lässt sich nieder und will sich - entsprechend seinem Namen - architektonisch anspruchsvoll ausdrücken. Als Automobilstandort neben Ford, Toyota und dem im Ausland als Qualitätskontrolleur anerkannten TÜV stärke der silberne Stern das Image der Stadt, bestätigt Kölns Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans.

So mehren sich in Köln jene Beispiele, die die Stadt gern als Leuchttürme bezeichnet und mit denen das Werben um Neuansiedlungen leichter falle. Der Rheinauhafen etwa, ein fast zwei Kilometer langer, citynaher Büro- und Wohnstandort am Rhein, der bis 2010 fertiggestellt sein soll, hat jüngst nochmals einen deutlichen Impuls erfahren. Die schon in der Planungsphase als Wahrzeichen des Rheinauhafens bezeichneten drei 60 Meter hohen Kranhäuser, die das Architektenbüro Bothe Richter Teherani entworfen hatte, haben Ende 2006 Investoren und mit der internationalen Anwaltskanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer einen prominenten Ankermieter gefunden. Der Bau der alten Hebekränen nachempfundenen gläsernen Komplexe, die leicht über den Rhein ragen, hat begonnen. Auch der Umzug der Neusser Niederlassung von Microsoft Deutschland zum Jahresende 2007 in den Rheinauhafen zählt zu den von der Stadt angeführten Standortargumenten. Diese beiden Ereignisse haben das Hafenprojekt, das die Öffentlichkeit über Jahre als nur langsam fortschreitend wahrgenommen hatte, beschleunigt. Die Stimmung für ein neues belebtes Stadtviertel im Kölner Zentrum wächst spürbar. Galt doch gerade das Gelingen der drei gläsernen Wahrzeichen als eine Art Gradmesser für den Erfolg dieses Projekts.

Direkt gegenüber dem Rheinauhafen
auf der rechten Rheinseite in Deutz dominieren gelbe Baukräne. In den denkmalgeschützten alten Kölner Messehallen entsteht ein moderner Büropark. Nur die historische rote Backsteinfassade und der Kölner Messeturm bleiben erhalten. Dieser
Park wird wegen seiner etwa nur sechsgeschossigen Riegel als gelungenes Beispiel für eine "horizontale Verdichtung" bezeichnet, die das angekratzte Image Kölns nach den missglückten Hochhausplänen aufpoliert. Nachdem die Unecso in Deutz geplante Hochhäuser als Bedrohung für den dann deutlich niedrigeren Kölner Dom ansah, kippte die Stadt die Pläne zur vertikalen Verdichtung. Investoren erstaunte die plötzliche Kehrtwende, und manche stellten die Planungssicherheit in Köln in Frage. Nun zieht der Fernsehsender RTL Deutschland aus der Kölner Vorstadt in diesen direkt gegenüber dem Dom liegenden Flachbau in Deutz um. Damit ist die Hälfte des 160.000 Quadratmeter großen Büroparks vermietet. Dass Europas größter Privatsender nicht nur Medienunternehmen ein ansprechendes Umfeld liefert, daran zweifelt in Köln fast niemand. Das rechtsrheinische Deutz kann offenbar auch ohne Hochhäuser attraktiv erscheinen. Damit nicht genug, punktet die Stadt mit einem weiteren Vorzeigeprojekt: Das auf der internationalen Gewerbeimmobilienmesse Mipim in Cannes 2006 preisgekrönte "Weltstadthaus" von Peek & Cloppenburg wirkt über Deutschland hinaus als Publikumsmagnet. Der eiförmige Glasbau von Stararchitekt Renzo Piano sticht zwischen den eintönigen Sechziger-Jahre-Bauten der Kölner Einkaufsmeile hervor.

So wirbt und lockt Köln derzeit mit einigen großen Namen. Von dem Effekt, dass Vorreiter andere größere Mieter nachziehen, ist auch der Niederlassungsleiter des Mercedes-Benz Centers, Manfred Simon, überzeugt. Schließlich haben auch die vielen anderen repräsentativen Mieter wie Ford Bank oder Robert Bosch GmbH sowie die vielen Gründerfirmen, die den Park lebendig halten, auch für den internationalen Konzern anziehend gewirkt. Und Daimler-Chrysler steht nicht allein: So hat Mitte Januar dieses Jahres die vom Bund, Siemens Business Services und IBM neu gegründete BWI Informationstechnik GmbH, die unter dem Projektnamen Herkules mit einem Auftragsvolumen von 7,1 Milliarden Euro die nichtmilitärische Kommunikationstechnik der Bundeswehr modernisieren soll, 3.800 Quadratmeter möblierte Bürofläche angemietet.

Dass das Mercedes-Benz Center die erhoffte Magnetwirkung entfaltet, deutet sich an. Wirtschaftsdezernent Norbert Walter-Borjans zeigt sich jedenfalls optimistisch - schließlich ist die Automarke bei vielen Wirtschaftsbossen beliebt: "Das gibt Anlass zu der Annahme, dass Entscheidungsträger und Unternehmer diesen Standort häufiger besuchen und auf ihn aufmerksam werden, als es früher der Fall war."


Beliebter Wirtschaftsstandort

Der Bürobau boomt in Köln, und die Investoren können durchaus damit rechnen, für ihre Flächen Mieter zu finden. Der Flächenumsatz des Vorjahres, der schon eine Rekordmarke erreichte, sei um 25 Prozent übertroffen worden, heißt es im "Office Market Report 2007" von Atisreal. Trotz einer Leerstandsquote von 10 Prozent sehen Marktbeobachter gerade bei hochwertigen Flächen eine steigende Nachfrage. Unter den besten und beliebtesten Wirtschaftsstandorten belegt Köln in einem aktuellen Städteranking des Wirtschaftsforschungsinstituts Feri von 60 Städteregionen Platz 5. Die Zufriedenheit vor Ort drückt sich in einer Studie von Ernst & Young aus. Nur 3 Prozent der Unternehmen in Köln denken über eine Standortverlagerung nach. In Hamburg sind es 11 Prozent, in Frankfurt 10 Prozent.
 


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