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  Peter Reuter  
Peter Reuter



Immobilienstandort Köln:
Weltstadthaus und SpichernHöfe setzen überraschende Akzente
(Handelsblatt, 30. März 2005)

Investoren treiben eine Vielzahl anspruchsvoller Einzelprojekte voran.

Für einen Aufschrei in der Stadt sorgte kürzlich der Rundumschlag eines Kölner Kommunalpolitikers, der seine Stadt als "absolutes Schlusslicht in ästhetischer Hinsicht unter allen ambitionierten Großstädten" bezeichnete. Immerhin ist der CDU-Politiker Vorsitzender des Kulturausschusses – er sprach zwar für keine Mehrheit, wie sich herausstellte, aber zumindest Teilen seiner Kritik am Erscheinungsbild Kölns gaben viele Bürger Recht.

Nur schwer korrigierbare Bausünden der 50er und 60er-Jahre, gepaart mit der Überzeugung, dass die romanischen Kirchen und vor allem der Dom für eine positive Ausstrahlung ausreichten, haben dazu geführt, dass Köln lange Zeit keine wichtigen architektonischen Akzente gesetzt hat. Der Bund Deutscher Architekten (BDA), der in Köln vor einigen Tagen seinen ersten BDA-Tag veranstaltete, forderte dabei, dass in der Domstadt der öffentliche Raum besser koordiniert werden solle.

Der Träger des BDA Preises, Volkwin Marg – der die Auszeichnung zusammen mit seinem Kollegen Meinhard von Gerkan erhielt – sieht eine zukünftige Gestaltung dabei nicht in Hochhäusern. "Köln soll froh sein, dass es hier den Anschluss an diese Entwicklung verpasst hat." Beide Architekten haben das RheinEnergie Stadion in Köln entworfen. "Es ist ein Wandel in Köln zu beobachten", so IHK-Geschäftsführer Detlev Sachse. "Man wird sich der Mängel im Stadtbild bewusst und treibt anspruchsvolle Einzelprojekte voran." Dennoch fordert die Industrie- und Handelskammer einen angesehenen Stadtbaumeister neben dem Stadtentwicklungs-Dezernenten, weil der Stadtumbau nicht nur eine einmalige Chance, sondern auch "eine Herkulesaufgabe" sei.

Als ein in Köln einzigartiges Projekt gilt das von Hauptinvestor Armin Wolfgang Müller entwickelte Gebäudeensemble "SpichernHöfe", das aus sieben teilweisegründerzeitlichen Häusern besteht. "Die Betonung des hochwertigen Projekts liegt auf den Höfen", sagt Müller und will den Innenbereich des 10.000 Quadratmeter großen Quartiers im Stil einer italienischen Piazza mit Springbrunnen gestalten. Die Mietfläche von 22.000 Quadratmetern teilen sich in Wohnungen, Büros, Gastronomie und Showrooms auf, 65 Prozent seien bereits vermietet, darunter an die Möbeldesigner Boffi, Porro und Living Divani. "Die Vielzahl der Nutzungen sorgt für eine Lebendigkeit der Immobilie", sagt der Investor über den Altbau-Komplex, der an die Hackeschen Höfe in Berlin erinnert.

Um höchste Qualität und Emotionalität zu erhalten, will Müller die Einheiten nicht verkaufen. Ende 2005 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Einen städtebaulichen Akzent gibt auch der gläserne "LVR-Turm" in Deutz, den die Architekten Gattermann und Schossig mit drei konvex gebogenen Seiten gebaut haben.

Ebenfalls im Rechtsrheinischen hat sich Helmut Jahn verewigt. Der Spezialist für Stahl und Glas entwarf das neue Flughafenterminal und den Flughafenbahnhof sowie den geplanten "Cologne One Tower" in Deutz. Im "Gerling Ring Karree" von Norman Foster sind neben Stahl und Glas auch wärmere Werkstoffe zu sehen – sicherlich ein Impuls für die ansonsten vernachlässigten Ringe.

Ein weiteres Highlight ist das Wallraf-Richartz-Museum von Oswald Ungers, ein massiver und dennoch dezenter Kubus, der die Altstadt aufwertet. Von allen Neuheiten sticht aber vor allem das "Weltstadthaus" von Renzo Piano hervor, dessen filigrane, eiförmige Glashülle gerade vollendet wurde. Das vielleicht unauffälligste Objekt aber haben die Kölner Architekten Brandlhuber & Kniess am Eigelstein 125 gebaut. Das mit 2,56 Meter Breite schmalste Haus Deutschlands demonstriert mit Bravour, wie hässliche Baulücken geschlossen werden.
 


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